Montag, 19. November 2007, 9:08 Uhr

Erfolgreicher Teststart für elektronische Gesundheitskarte

Es ist soweit: In einem Großversuch testen Kassenversicherte die Tauglichkeit der ersten elektronischen Versicherungskarten. Was in anderen Bereichen längst Alltag ist, soll nun auch in der Krankenversorgung für einen wahrhaftigen Innovationssprung sorgen.

Gesundheitskarte Von der Digitalisierung erhoffen sich Ärzte sowie Krankenkassen vor allem für den Patienten wesentliche Vorteile. Etwa 30.000 Menschen aus sieben Regionen und Städten in ganz Deutschland tragen derzeit eine voll funktionsfähige elektronische Gesundheitskarte anstatt ihrer bisherigen Versicherungskarte mit sich. 12 Krankenkassen begleiten das Pilotprojekt, eine Vielzahl von Ärzten, Apotheken und Krankenhäusern haben sich angeschlossen.

Alle wurden mit einem speziellen Kartenlesegerät ausgestattet. Zunächst sind auf den Testkarten lediglich so genannte Stammdaten wie Name und Adresse des Patienten, sowie Versicherung und Zuzahlungsstatus (Eigenanteil in der Apotheke) sowie ein Lichtbild des Versicherten gespeichert. Die Auslandskrankenkarte befindet sich auf der Rückseite gleich dazu.

Ausbaufähige Features

Doch die Fähigkeit dieses elektronischen Patienten Passes ist damit längst noch nicht ausgereift. Hinzukommen sollen in weiteren Ausbaustufen vor allem behandlungsrelevante Daten wie Krankheitsgeschichte, Röntgenbilder, Allergien, Blutgruppe oder die in der Apotheke ausgegebenen Medikamente. Später sollen hier sogar der vorhandene Organspendeausweis digital gespeichert sein. Vom „Gläsernen Patienten“ sollen somit nahezu alle denkbaren Informationen gesammelt und bei Ätzten und Apothekern abrufbar sein.

Die Bedienung erfolgt ähnlich wie bei einer ec-Karte mittels Kartenlesegerät und persönlicher Geheimzahl. Um jedoch die gespeicherten Daten lesen bzw. ändern zu können ist eine zweite Karte, die des behandelnden Arztes nötig. Erst beide Karten zusammen im Lesegerät geben somit die Krankenakte des Patienten preis. In der Apotheke erfolgt der gleiche Ablauf, hier muss sich der Apotheker ebenfalls digital autorisieren. Die Informationen welches Medikament an den Patienten ausgegeben wurde, erhält die Krankenkasse unmittelbar per Datenübertragung.

Wirtschaftlich und effektiv

Die mit der Digitalisierung zu erwartenden Vorteile lassen sogar die Kritik der Datenschützer erblassen. Rein wirtschaftlich gesehen ergäbe sich zunächst eine immense Kostenersparnis. Experten rechnen mit bis zu 25 % der von den Kassen erstatteten Gesamtkosten, was stolzen 37 Milliarden Euro entspricht. Rechnet man dies auf den Beitragssatz de Krankenkassen, ergäbe sich eine Senkung um 3,7 Prozent.

Im gesamten Abwicklungsprozess des Gesundheitssystems soll aber vor allem die verbesserte Qualität in der medizinischen Versorgung des Patienten überzeugen. Die Behandlung wird durch schnelles Abrufen von Patientendaten effektiver, so Experten. Durch die Vernetzung von Versicherten, Ärzten und Apotheken lassen sich Fehlinformationen über Behandlungen bzw. der Verlust von wichtigen Krankheitsdetails vermeiden.

Kann man dem avisierten Zeitplan von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt glauben schenken, soll die elektronische Gesundheitskarte bereits ab 2009 für über 70 Millionen gesetzlich Versicherte sowie alle 8 Millionen Privatversicherten eingeführt werden. Das bis dahin größte Projekt dieser Art soll am Ende 1,4 Milliarden Euro kosten und etwa alle 188.000 Ärzte und Zahnärzte, 21.000 Apotheken, 2200 Krankenhäuser, 1300 Rehazentren und 310 Krankenkassen eingliedern.

Ihre Meinung zu “Erfolgreicher Teststart für elektronische Gesundheitskarte”

Vollständiger Name:

E-Mail: (wird nicht angezeigt)

Website: (optional)

Spamschutz: Summe aus 1 + 6 ?

Hinweis: Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Bitte bleiben Sie sachlich und konstruktiv. Alle Kommentare werden vor der Veröffentlichung von einem Moderator überprüft und sind nicht für jeden Besucher sofort sichtbar. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.