Samstag, 29. Dezember 2007, 13:42 Uhr

Krankenkasse stellt Ärztemonopol in Frage

Erstmals greift eine gesetzliche Krankenkasse in Deutschland die bisher praktizierten Vereinbarungen zwischen Ärzten und Krankenkassen an. Die AOK Baden-Württemberg umgeht ab 2008 die Kassenärztliche Vereinigung bei einem Teil der hausärztlichen Versorgung. Ziel ist ein effizienteres Honorarsystem, vor allem für Hausärzte.
Krankenkasse ÄrztemonopolDie ärztliche Versorgung für gesetzlich Versicherte wird bisher zwischen den Krankenkassen und den Kassenärztlichen Vereinigungen der einzelnen Bundesländer verhandelt. Dabei müssen alle Ärzte, die Kassenpatienten behandeln, Mitglied in der Vereinigung sein. Somit soll die medizinische Versorgung sichergestellt werden. Außerdem verteilt die Kassenärztliche Vereinigung die Honorare an die Ärzte.

Mit Einführung der Gesundheitsreform, besteht die Möglichkeit für Krankenkassen, Verträge direkt mit einzelnen Arztgruppen und ohne Kassenärztliche Vereinigung zu schließen. Neue Vereinbarung mit Ärzten und Pharmaindustrie sind die zwei wichtigsten finanziellen Stellschrauben für den Haushalt der Krankenkassen.

Ab Mitte 2008 wird die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) in Baden Württemberg für ihre 3,9 Millionen Versicherten erstmals eine Vereinbarung mit dem Deutschen Hausärzteverband und der Ärzteorganisation Medi organisieren. Wählt der Versicherte den “Hausarzttarif”, muss er stets erst seinem Hausarzt konsultieren, dieser verweist ihn gegebenenfalls dann an einen Facharzt. Innerhalb dieses Modells sollen den Hausärzten ein verbessertes Honorarsystem zugesichert werden. Die AOK will durch die stärkere Bindung der Ärzte an die Kassen, teure Doppelbehandlungen und Krankenhausaufenthalte vermeiden.

Ziel dieses Novums ist die Einsparung von Kosten. Allein im Oktober 2007 betrug der Anstieg der Arzneimittelausgaben 14,5 Prozent. Unter dem Hintergrund eines bundeseinheitlichen Beitragssatzes ab 2009 können jedoch Mehrkosten nicht mehr an Mitglieder weitergegeben werden. Aus diesem Grund bauen Krankenkassen bereits beachtliche Finanzpolster auf. Speziell die Ortskrankenkassen schließen dieses Jahr mit einem dicken Plus ab. Rund 610 Millionen Euro Gewinn werden vorhergesagt, zurückzuführen auf die höheren Beiträge im Vergleich zu Ersatzkassen oder Betriebskrankenkassen. Weiterer Grund hierfür ist auch ein Beitragsplus durch die Erhöhung der Beschäftigtenzahlen bundesweit. Für 2008 werden von Experten gleichbleibende bzw. leicht steigende Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung prognostiziert.

1 Kommentar zu “Krankenkasse stellt Ärztemonopol in Frage” anzeigen

  1. 1
    am 29. Dezember 2007 um 16:05 Uhr

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