Montag, 2. Juni 2008, 9:41 Uhr

Große Verluste der GKV im ersten Quartal

Voraussichtlich werden die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) das erste Quartal 2008 mit einem Defizit von knapp einer Milliarde Euro abschließen. Die Begründung für ein derartig hohes Minus sind offensichtlich die stark gestiegenen Ausgaben innerhalb der GKV.

Große Verluste der GKV im ersten QuartalDie „Bild“ vom Mittwoch, dem 28. Mai 2008, berichtet über den enormen Fehlbetrag und beruft sich auf Informationen aus Kreisen der GKV. Die Ortskrankenkassen im Verein mit den Ersatz- und Innungskrankenkassen hätten im ersten Quartal des laufenden Jahres 702 Millionen Euro mehr ausgegeben, als ihre Einnahmen ausmachen. Die Betriebskrankenkassen sind nach Schätzungen mit einem Defizit von 300 Millionen dabei. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) wird die tatsächlichen Zahlen im Juni herausgeben.

Zunächst keine Beitragserhöhungen geplant

Die Verbände und das BMG sehen aber noch keine Notwendigkeit zur Erhöhung der Beiträge. Zudem scheint es bei den Beteiligten allgemein gesehen keinerlei Grund zur Sorge zu geben. Dazu muss die Tatsache gesehen werden, dass Defizite im ersten Quartal gar nicht so selten sind. Im vergangenen Jahr lag das Minus nach dem ersten Quartal bei ungefähr sieben Millionen Euro. Insgesamt jedoch schlossen die Krankenkassen 2007 mit einem Überschuss von 1,78 Milliarden Euro ab. Bei all diesen Zahlen ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass der Zuschuss des Bundes von 2,5 Milliarden Euro erst zum 01. Mai 2008 angewiesen wird und damit in das zweite Quartal fällt.

Voraussagen für 2009 erst mit den Zahlen zum Halbjahr

Ein wesentlich wichtigerer Indikator werden die Halbjahreszahlen der GKV sein. Mit diesen Zahlen kann der künftige Finanzbedarf der Krankenkassen abgeschätzt werden. Denn je höher dieser Bedarf sein wird, desto höher muss zwangsläufig der einheitliche Beitragssatz von der Bundesregierung festgelegt werden. Mit dem Start des Gesundheitsfonds im Januar 2009 wird im Zuge der Gesundheitsreform ein einheitlicher Beitragssatz für alle gesetzlichen Krankenkassen festgesetzt.

Trotz defizitären Zahlen keine alarmierende Situation

Johannes Vöcking, Vorstandsvorsitzender der Barmer Ersatzkasse, sagte der „Frankfurter Rundschau” vom 29. Mai 2008, dass die aktuell kursierenden Zahlen keine große Aussagekraft haben. Das Defizit werde sicher im Jahresverlauf ausgeglichen. Es sei üblich, dass im ersten Vierteljahr eines Jahres die Ausgaben in die Höhe schnellen würden. Jegliche Panikmache sei völlig unangebracht.

Für die Innungskrankenkassen sind die jetzigen Zahlen ebenfalls keine verlässliche Grundlage für eine Hochrechnung oder Prognose. Joachim Odenbach, Verbandssprecher der Innungskrankenkassen, sieht derzeit ebenfalls keinen Grund zur Beunruhigung. Beitragserhöhungen auf Grundlage der aktuellen Zahlen seien nicht zu befürchten.

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