Donnerstag, 12. Juni 2008, 10:46 Uhr

Kontroverse um die private Krankenversicherung

Es gibt Streit um die Zukunft der privaten Krankenversicherung. Die großen Konzerne wollen einen rigorosen Umbau des Gesundheitssystems. Die privaten Krankenversicherung (PKV) in ihrer jetzigen Form soll es demnach nicht mehr geben. Sie sollen abgeschafft werden.

Kontroverse um die private KrankenversicherungIm Herbst des Jahres 2006 hatte das Präsidium des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich intensiv und grundsätzlich mit der Zukunft der deutschen Sozialsysteme auseinandersetzen sollte. Das Gremium erarbeitete ein Papier mit dem Titel „Soziale Sicherung 2020: Angebote der deutschen Versicherungswirtschaft“.

Einheitsbeiträge auch bei den Privaten

Dieses Strategiepapier, das der „Financial Times Deutschland“ vorliegt, enthält eine Menge Zündstoff. Die Versicherer Allianz, Ergo und Axa machen sich für die Einführung einer einheitlichen Versicherung stark. Die Krankenversicherungen sollen demnach identische Prämien berechnen, die nicht von Alter oder Geschlecht eines Versicherten abhängig wären. Diese Grundsicherung soll für alle verpflichtend sein. Vom Ansatz her ist das ein Modell der Bürgerversicherung, das die SPD angedacht hat.

Grundsicherung plus Zusatzversicherungen

Die Grundsicherung würde nach diesen Vorschlägen sowohl von den gesetzlichen Krankenkassen als auch von den privaten Versicherern angeboten. Jeder Versicherte wird ohne Wenn und Aber akzeptiert. Die Beiträge für die Kinder zahlt der Staat. Neben der Grundsicherung könnten die privaten Krankenversicherungen zusätzliche Leistungen anbieten, die der Basistarif nicht abdeckt. Auf lange Sicht gesehen soll die Trennung zwischen gesetzlichen Krankenkassen und den privaten Krankenversicherern schlicht aufgehoben werden.

Dieses Zukunftsmodell ist in der Versicherungsbranche höchst umstritten. Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka, sieht in der Einführung der Kopfprämie eine klammheimlich Einführung der Einheitsversicherung, das Ende der privaten Krankenversicherung. Wenn alle Beiträge von der Regierung festgelegt werden, findet keinerlei Wettbewerb mehr statt. Nur mit den zusätzlichen Policen könne keine private Krankenversicherung überleben.

Tiefer Graben durchzieht die Branche

Die Konzerne wollen sich mit ihren Vorschlägen stärker in die Diskussion um die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems einbringen. Doch die Standpunkte sich nicht einhellig. Große Konzerne wie die Allianz stecken in einer Krise. Diese Unternehmen, die den GDV bestimmen, haben große Probleme wegen der ständig wachsenden Anzahl älterer Mitglieder und suchen nach durchgreifenden Auswegen aus dem Dilemma.

Gegenwind kommt vor allem aus Richtung der Versicherungsvereine wie der Debeka oder der Signal Iduna, die eine eher genossenschaftliche Ausrichtung haben. Sie decken mehr als die Hälfte des PKV-Marktes ab und sind deshalb bestimmend im PKV-Verband. Diese Versicherungen scheuen die immensen Anstrengungen, die eine Neuorientierung des Systems mit sich bringen würde.

Offener Zwist durch Reformabsichten

Unter der Leitung des Axa-Vorstandes Heinz-Peter Roß hatte die Arbeitsgruppe die neueste überarbeitete Version des Strategiepapiers auflegen wollten. Die Vertreter des PKV-Verbandes bestanden darauf, dass die Seiten des Papiers mit den brisanten Reformvorschlägen entfernt werden sollten. Dem wurde nachgegeben, was in dieser Form sicherlich ein bisher einmaliger Vorgang war. Der Chef einer Versicherung sprach sogar von Denkverboten. Das sei aber der Sache auf keinen Fall dienlich. Angeblich sollen die großen Gesellschaften wie die Allianz, Axa und Ergo mit dem Austritt aus dem PKV-Verband gedroht haben. Das wird aber von den Sprechern der Betroffenen Konzerne nachdrücklich dementiert.

1 Kommentar zu “Kontroverse um die private Krankenversicherung” anzeigen

  1. 1
    am 13. Juni 2008 um 10:59 Uhr

    Endlich gibt es einmal einen konsequenten Vorschlag, um Ordnung in das Gesundheitssystem zu bringen.

    Es sollten alle Einrichtungen eliminiert werden, die nicht aktiv im Gesundheitssystem
    notwendig sind.

    Niemand braucht einige hundert Krankenkassen. Hier liegen Milliarden €
    vergraben!

    Die Kette: Patient- Arzt- Pharmaforschung und - Produktion- Medizintechnik und dazu notwenige Forschung sollte nur ergänzt werden, durch notwendigste Verwaltungs-
    einrichtungen. Also weg mit den Nichtstuern im Gesundheitssystem.

    Wir sind so reich, wenn wir es geschickt und konsequent und zügig umsetzen.

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