Überflüssige Diskussion über private Krankenversicherung
Der Vorstandvorsitzende der Debeka, Uwe Laue, hat in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ seinem Unmut über die aktuelle Diskussion Ausdruck gegeben. Diese neue Debatte über die Abschaffung der privaten Krankenversicherung sei „überflüssig wie ein Kropf“.
Der Debeka-Chef ist gleichzeitig Vorstandsmitglied des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV). In seinen Aussagen der “Wirtschaftswoche” gegenüber dementiert er ganz klar, dass es im Verband Uneinigkeit gibt. Der Verband stehe weiterhin zusammen, auch seien ihm keine Mitglieder bekannt, die mit Austritt gedroht hätten. Auf einer Vorstandsitzung am kommenden Dienstag, dem 17. Juni 2008, wird der Verband weitere Aktivitäten, seinen Standpunkt und Vorgehensweisen beraten.
Arbeitsplätze in Gefahr
Die „Wirtschaftswoche“ fragte, was passieren würde, wenn die private Krankenversicherung abgeschafft werden sollte. Der Debeka-Chef geht nicht von einem derartigen „Super-GAU“ aus. Sollte das aber Realität werden, würde es große Umwälzungen geben. 85 Prozent der Konzerneinnahmen stammen aus der Vollversicherung und nur 15 Prozent von Zusatzversicherungen. Es käme zu einer Entlassungswelle, von der mindestens 1000 Mitarbeiter betroffen wären. Es gibt 8000 Mitarbeiter im Außendienst und 1000 Mitarbeiter in der Verwaltung, denen die Arbeitsgrundlage entzogen würde.
Klagen im Fall des Falles
Weiter wurde Uwe Laue nach erneuten Klagen befragt, sollte sich seine Versicherung mit dem Verkauf von Zusatzpolicen begnügen müssen. Diese Frage beantwortete der Debeka-Chef zustimmend. Er sagte, dass bereits Klagen gegen Teile der Gesundheitsreform anhängig seien. Sollte es doch zu einer Abschaffung der privaten Vollversicherung kommen, würden mit Sicherheit ebenso viele Unternehmen wie jetzt den Gang nach Karlruhe antreten.
Schutz für die privat Versicherten und die Altersrückstellungen
Die wichtigste Frage ist sicherlich die nach den Konsequenzen für die Kunden der privaten Krankenversicherung. Niemand kann den privat Versicherten ihren Krankenschutz einfach wegnehmen. Dabei geht es um privatrechtliche Verträge, die über Jahre hinweg weiter verwaltet werden müssen. Die Policen würden weiter existieren, es würden nur keine Neukunden mehr dazukommen.
Auf die Frage, was mit den Alterrückstellungen passieren würde, meinte Uwe Laue: „Das wüsste ich auch gerne. Die Altersrückstellungen sind Eigentum der Mitglieder, nicht der Versicherer“. Sollten dem Klientel die Alterrückstellungen weggenommen werden, so entspricht das dem Tatbestand der Enteignung. Das System der Alterrückstellungen ist nicht so einfach abzuschaffen, zumindest nicht bei den Bestandskunden. Bei Neukunden ist das aber im Bereich des Möglichen.
Die Alterrückstellungen stehen unter besonderem Schutz. Sie gehören der Gemeinschaft der Mitglieder, nicht jedem Einzelnen. Durch die Gesundheitsreform und vor allem den Basistarif werden die Gelder individualisiert, weil sie bei einem Wechsel mitgenommen werden können. Dafür müssen alle den Kopf hinhalten, auch mit höheren Beiträgen. Dagegen sind viele private Krankenversicherer zu Felde und vor Gericht gezogen, zum Schutz ihrer Kunden.
Potentielle Kunden sind verunsichert
Wird es nun weniger Kunden für die PKV geben? Uwe Laue befürchtet, dass mögliche Neukunden durch die aktuelle Diskussion verunsichert werden könnten. Obwohl es noch keine genauen Zahlen gibt, sind im Jahr 2007 lediglich 60. 000 Menschen in eine private Krankenversicherung eingetreten. Noch im Jahr 2006 waren es fast doppelt so viele. Doch werden die Unternehmen der PKV nicht nachlassen, neue Kunden von ihren Angeboten zu überzeugen.












