Freitag, 20. Juni 2008, 11:44 Uhr

Betrüger, Depressionen und Komatrinker – Zahlen GKV

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben in den letzten Jahren viele erschwindelte Millionen von Betrügern zurückgeholt. Das berichtet die „Bild“ in ihrer Ausgabe vom 16. Juni 2008. Den höchsten Betrag mit 181,3 Millionen Euro im Jahr 2007 meldete die Techniker Krankenkasse (TK).

Betrüger, Depressionen und Komatrinker – Zahlen GKVDie TK hat ein eigenes Prüfsystem eingerichtet, mit dem zu Unrecht gezahlte Gelder zurückgerufen worden sind. Als Verursacher wurden Ärzte, Apotheker und Patienten ausgemacht. Mediziner rechneten Behandlungen ab, die gar nicht erbracht wurden. Apotheker versuchten, sich mit zu hohen Arzneiverordnungen zu bereichern. Patienten legten gefälschte Rezepte vor.

Die anderen gesetzlichen Krankenkassen nahmen den Korruptionsbeauftragten in Anspruch, der seit 2004 gesetzlich vorgeschrieben ist. Auch hier kamen erstaunliche Summen zusammen, die durch Betrügereien kassiert wurden. In den vergangenen zwei Jahren holte die AOK 36 Millionen Euro, die DAK 2,3 Millionen und die BEK 5,6 Millionen Euro an ergaunerten Beträgen zurück.

Psychische Krankheiten im Vormarsch

Am 12. Juni 2008 stellte die Techniker Krankenkasse in Berlin ihren Gesundheitsreport vor. Dr. Christoph Straub, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der TK, sah durch die Auswertungen des Reportes bestätigt, dass psychische Erkrankungen wesentlich häufiger vorkommen als bisher angenommen. Bei allen einschlägigen Diagnosen sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Es gibt deutliche regionale Unterschiede. Die Bewohner der neuen Bundesländer sind weniger häufig betroffen als die aus den alten Ländern. In den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin gab es besonders viele psychische Erkrankungen.

Bessere Vorsorge nötig

Im Jahr 2006 wurde bei fast jeder dritten weiblichen Patientin zwischen 15 und 65 Jahren mindestens einmal eine psychische Störung festgestellt, bei den Männern war es fast jeder sechste. Die häufigsten Diagnosen waren Depressionen, Belastungsreaktionen und körperliche Störungen, die auf psychische Ursachen zurückzuführen sind. Deshalb will die TK auch die Früherkennung und Verhütung psychischer Erkrankungen fördern. Sie unterstützt Betriebe, die berufs- und arbeitsbedingte Belastungen aufspüren, bietet Seminare zur Stressbewältigung und Fortbildungen für Führungskräfte an.

Komatrinker – die neue Gefahr

Weiter hat die TK Zahlen veröffentlicht, die alarmierende Fakten über die Zunahme von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen zum Inhalt haben. Maria Eichhorn, Drogenbeauftragte der CDU/CSU Bundestagsfraktion, machte die Tatsache deutlich, dass nun auch die Krankenkassen die Brisanz des Jugendalkoholkonsums erkennen. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Fälle von Alkoholvergiftung bei Jugendlichen fast verdoppelt. Im Jahr 2007 wurden 1822 Jugendliche unter 20 Jahren volltrunken und hilflos in Krankenhäuser eingeliefert. Vier Jahre zuvor, im Jahr 2003, waren es noch 962. Diese Zahlen betreffen nur Versicherte der TK. Die Kosten für Entgiftungsbehandlungen stiegen im gleichen Zeitraum von 552.000 auf 980.000 Euro.

Die Krankenkassen in Deutschland geben inzwischen mehrere Millionen Euro für die Behandlung von Komatrinkern aus. Abgesehen von den Kosten nimmt der Umgang der Jugendlichen mit der Droge Alkohol beängstigende und selbstzerstörerische Züge an. Sowohl die steigenden Ausgaben als auch die Notwendigkeit, diesem Trend Einhalt zu gebieten, muss alle Verantwortlichen hellhörig machen und zum Handeln auffordern.

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