Dienstag, 24. Juni 2008, 8:25 Uhr

Studie: Apotheken im Wandel

Der Einkauf in der Apotheke - das ist bereits erstaunlich oft eine Alternative zum Arztbesuch. Apotheker werden zu Wegweisern der gesundheitlichen Beratung. Gleichzeitig sehen viele Kunden die Apotheken als „Zahlstelle“, an der die ständig steigenden Gesundheitskosten deutlich werden.

Studie: Apotheken im WandelDie aktuelle Studie „Health Care Monitoring 2008“ des Marktforschungs- und Beratungsinstituts „psychonomics AG“ brachte es an den Tag. Im Zuge der Studie “Zukunft der Apotheke” wurden 1.500 Bundesbürger ab 16 Jahren repräsentativ zu ihrem Gesundheitsverhalten, ihren diesbezüglichen Ansichten und Einstellungen befragt.

Dabei wurde deutlich, dass 65 Prozent der Bundesbürger bei leichten gesundheitlichen Beschwerden gar nicht erst zum Arzt gehen. Sie lassen sich dann vom Apotheker beraten. Im Jahr 2003 waren das lediglich 56 Prozent aller Deutschen. Im Allgemeinen sank die Bereitschaft, bei den ersten Anzeichen einer Erkrankung den Arzt aufzusuchen, in den vergangenen zehn Jahren von 56 Prozent auf den aktuellen Wert von nur noch 33 Prozent.

Apotheke “um die Ecke” wichtiges Kriterium

Apotheker haben hohes Ansehen und ein prinzipiell positives Image in der deutschen Bevölkerung. Rund 75 Prozent der Bundesdeutschen haben eine Stammapotheke, deren Dienste regelmäßig in Anspruch genommen werden. Vergleicht man die Zufriedenheitswerte, schneiden die Apotheken deutlich besser ab als der Hausarzt oder auch die eigene Krankenkasse. Allerdings spielt bei der Wahl der „Hausapotheke“ die räumliche Nähe eine entscheidende Rolle, erst dann folgen mit einigem Abstand die Kriterien Kundenorientierung, Service und fachliche Kompetenz.

Teure Gesundheit

Doch wie immer: Wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten. Apotheken werden längst nicht mehr ausschließlich als vertrauter Anker in einem immer unübersichtlich werdenden Gesundheitssystem wahrgenommen. Sie sind auch Zahlstelle, sogar Bedrohung, an der man die eigenen steigenden Ausgaben für die Gesundheit festmacht. Und nicht nur der freundliche, kompetente Apotheker bestimmt das Image. Viele sehen nur noch die unpersönliche Abgabestelle für Medikamente. Liberalisierung und Industrialisierung des Apothekenmarktes könnten solch negative Bilder in Zukunft verstärken und zur Normalität machen. Denn neue Formen der Apotheken wie ganze Apothekenketten, Abgabestellen in Drogeriemärkten oder maschinelle Medikamentenausgaben werden durchweg negativ beurteilt.

Verkauf von freien Arzneien rückläufig

Trotz des Rückhaltes in der Bevölkerung ist die klassische Apotheke heute bereits großer Konkurrenz ausgesetzt. Der Anteil der „exklusiven Apothekenkäufer“ im Bereich rezeptfreier Arzneimittel ist seit 2005 von 36 auf aktuelle 27 Prozent gesunken. Immer öfter werden für solche Mittel auch Drogerien, Reformhäuser und Supermärkte in Anspruch genommen. Bei den rezeptpflichtigen Medikamenten werden Versandapotheken in steigendem Maße bemüht.

Apotheken vor neuen Herausforderungen

Anja Schweitzer, Leiterin der HealthCare Marktforschung, ist der Meinung, dass heute noch niemand genau weiß, wie sich die Apotheken in den nächsten 10 Jahren positionieren und verändern werden. Es ist aber heute bereits absehbar, dass die Teilnehmer am Apothekenmarkt vor völlig neuen Anforderungen stehen werden. Anja Schweitzer: „Die genaue Kenntnis der Erwartungen und Wünsche der Kunden und Patienten spielt dabei eine entscheidende Rolle“.

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