GKV-Spitzenverband ersetzt die früheren Verbände
Die große Koalition in Bonn will mit der Gesundheitsreform ebenfalls die Verbandsstrukturen der Krankenkassen straffen und entbürokratisieren. Die früheren sieben Spitzenverbände der Krankenkassen wurden zum 01. Juli 2008 durch den neuen GKV-Spitzenverband ersetzt.
Die neue Organisation vertritt 217 Krankenkassen der gesetzlichen Krankenversicherung und damit ebenfalls die Ansprüche und Interessen von 70 Millionen Versicherten. Der Spitzenverband wird die Rahmenbedingungen der medizinischen Versorgung mitgestalten. Seine Aufgaben sind Verhandlungen mit den Vertretern der Mediziner über Honorare sowie die Mitbestimmung bei der Arzneimittelerstattung und deren Obergrenzen. Er realisiert Reformen und erstellt wichtiges Informationsmaterial wie zum Beispiel detaillierte Statistiken. Vor allem aber vertritt er die Interessen der Krankenkassen und ihrer Mitglieder gegenüber der Politik.
Vorsitzende des Verbandes ist die Volkswirtin Doris Pfeiffer. Sie ist die Chefin von bisher 95 Mitarbeitern, von denen viele aus den alten Verbänden kommen. Die Kosten, die der Verband verursacht, sind sehr moderat. Sie belaufen sich auf 31 Cent pro Versichertem und Jahr. Die alten Verbände bestehen zum Teil als spezielle Interessenvertretungen fort, haben aber keinerlei gesetzliche Aufgaben.
Gute Ausstattung des Gesundheitsfonds wichtig
Doris Pfeiffer sieht im kommenden Jahr mit dem Start des Gesundheitsfonds durchgreifende Unwälzungen und schwierige Bedingungen auf die Versicherten der GKV zukommen. Gleich zur Arbeitsaufnahme erteilte die Vorsitzende des Spitzenverbandes der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt eine Absage. Die Ministerin hatte mehr Finanzmittel für Ärzte und Kliniken schon so gut wie zugesagt.
„Entscheidend ist, dass die Finanzausstattung des Gesundheitsfonds bei 100 Prozent liegen wird“, so das Credo von Frau Pfeiffer. Erst im Jahr 2009 wird deutlich werden, in welchen Grenzen sich Be- und Entlastungen bewegen werden. Der GKV-Spitzenverband sieht seine vorrangige Aufgabe darin, Verlässlichkeit und Ausgewogenheit in den Aktionsräumen der Krankenkassen zu etablieren und sicherzustellen.
Keine zusätzlichen Geldmittel
Frau Pfeiffer wandte sich gegen die vielfältigen Forderungen nach höherer Vergütung. „Wer Ärzten und Krankenhäusern mehr Geld geben will, muss sagen, wo es herkommen soll“. Sie bezifferte das Durchschnittseinkommen der niedergelassenen Mediziner in Deutschland auf über 120.000 Euro. Die Honorare seien nicht zu gering, sondern ungleich verteilt. „Wir brauchen also nicht mehr Honorar, sondern eine bessere Verteilung zwischen den Ärzten“.
Auch sei mehr Geld für die Krankenhäuser nicht notwendig. Die Einnahmen sind um eine Milliarde Euro gestiegen, die Liegedauer der Patienten sinkt ständig, so dass keine zusätzlichen Mittel von den Krankenkassen notwendig seien. Ein Problem sei wohl nur, dass zu wenige Investitionsmittel von den jeweiligen Bundesländern zur Verfügung gestellt würden.
Obwohl die Stimmung bei den Krankenkassen bestimmt nicht durchgängig optimistisch und freudig ist, sieht Frau Pfeiffer dennoch die Kraft der Krankenkassen zu Neuerungen und Reformen ungebrochen. „Eine spannende Zeit liegt vor uns, die die Kassen aktiv und kreativ angehen“.












