Sicherheit der neuen Gesundheitskarte weiter umstritten
Die neue elektronische Gesundheitskarte soll die alte Versichertenkarte der gesetzlichen Krankenversicherung ersetzen. Eine Forsa-Umfrage unter 2.009 Versicherten macht deutlich, dass das neue Medium sowohl von Akzeptanz als auch von Ablehnung bestimmt wird.
Die Umfrage wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen in Auftrag gegeben. Die Versicherten wurden von Februar bis März 2008 zu Kenntnissen und Einstellungen in Bezug auf die neue elektronische Gesundheitskarte (eGK) befragt. Erstaunlich ist schon, dass immerhin 60 Prozent der Befragten über die eGK informiert waren. Doch die restlichen 40 Prozent hatten noch nichts von der geplanten Neuerung gehört. Das ist bemerkenswert, denn eigentlich sollte die Karte bereits seit 2006 bundesweit im Einsatz sein.
Schlechte Information - schlechtes Image
Doch selbst die Versicherten, die von der Karte gehört hatten, fühlten sich überwiegend nicht umfassend ins Bild gesetzt. Vor allem über die Speicherung von Notfalldaten und die Sicherheit der Patientenangaben fehlen entsprechende Informationen. Allgemeiner Datenschutz, die elektronische Patientenakte und die Dokumentation der Arzneimittel interessiert die „schlecht Informierten“. Die Umfrage hat dann doch schon eines bewirkt, nämlich die Absichtserklärung der Krankenkassen, die Informationen um die eGK auszubauen und zu intensivieren.
Funktionalität Vorrang vor Schnelligkeit
Bei den Befragten gibt es eindeutige Ansichten, was den Zeitpunkt der Einführung angeht. Drei Viertel der Versicherten wollen eine Einführung als Komplettversion, mit der alle Anwendungen machbar sind. Die schnelle Einführung einer Basiskarte mit nur wenigen Funktionen lehnen sie ab. Aber genau so sieht die aktuelle Planung des Bundesgesundheitsministeriums aus. Eine „Rumpfkarte“ soll bis 2009 an 70 Millionen Versicherte ausgegeben werden. Weil es mit der neuen Karte noch technische Probleme gibt, wird sie parallel zu der herkömmlichen Karte genutzt werden. Zusätzlich zu weiteren Stammdaten soll die Karte ein Lichtbild des Versicherten aufweisen. Weitere Funktionen gibt es mit dieser “Vorab-Karte” noch nicht.
Umstrittene biometrische Lichtbilder
Einige Gesetzliche Krankenkassen beginnen bereits, Lichtbilder ihrer Versicherten anzufordern. Zum Teil sollen das biometrische Bilder sein, also Aufnahmen zum Vermessen des Gesichts. Unklar ist, ob die Krankenkassen das Recht haben, auf einem solchen Bild zu bestehen. Aus dem Gesetz, das die Inhalte der Karte regelt, geht eine Verpflichtung zu einem biometrischen Foto nicht hervor. Für viele Kritiker ist das typisch für den eher lässigen Umgang mit diesem Milliardenprojekt. Nach der Analyse eines Düsseldorfer Beratungsbüros wird das Unternehmen eGK statt der veranschlagten 1,4 Milliarden Euro zwischen 3,9 und sieben Milliarden Euro kosten. Ein Posten dieser Mehrkosten sind 250 Millionen Euro für Beschaffung und Digitalisierung der Versichertenfotos.
Datensicherheit nicht gewährleistet
Ein weiterer „Knackpunkt“ dieses Projekts ist die Sicherheit der Daten. Bereits im Jahr 2005 wurde durch den IT-Berater Thomas Maus innerhalb von vier Tagen das System praktisch geknackt, was bei derartig sensiblen Daten einer Katastrophe gleichkommt. Nach einer Überarbeitung garantieren nun die Krankenkassen, dass mit dem neuen „Zwei-Schlüssel-Prinzip“ ohne Einwilligung des Versicherten niemand auf die individuellen und freiwilligen Anwendungen der eGK Zugriff erhalte. Doch genau das ist für Experten gar nicht klar. Der renommierte “Chaos-Computer-Club hat weiterhin starke Bedenken. Seine Mitglieder kritisieren, dass es immer noch kein Konzept gibt, das den Zugriff auf die Schlüssel zum Inhalt hat.












