Schlechte Krankenkassen Kontrolle verschleudert Millionen
Die gesetzlichen Krankenkassen haben offensichtlich zu viel Geld. Ungenaue Prüfungen der Abrechnungsdaten aus den Krankenhäusern verschlucken Beträge in dreistelliger Millionenhöhe. Das stellte das Bundesversicherungsamt (BVA) im Jahresbericht 2007 fest.
Die Prüfer des BVA nahmen im vergangenen Jahr 11 bundesweit tätige Krankenkassen unter die Lupe. Dazu gehörten unter anderen die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), die Barmer Ersatzkasse (BEK) oder die Techniker Krankenkasse (TKK) mit rund 20 Millionen Versicherten. Für die sogenannten landesunmittelbaren Krankenkassen wie die AOKs ist das BVA nicht zuständig. Die geprüften Krankenkassen hatten einen Anteil von 50 Prozent der stationären Krankenhauskosten der bundesweit agierenden Krankenkassen. Der Anteil an den stationären Ausgaben aller 217 gesetzlichen Krankenkassen betrug 28,42 Prozent.
Fallpauschalen oft fehlerhaft
Das BVA prüfte 5.298 DRG-Fälle. Das sind die Fallpauschalen, mit denen die Krankenhäuser ihre Vergütungen abrechnen. Davon waren 1.150 entweder falsch, fehlerhaft oder zumindest nicht korrekt. Die Verwaltungskosten pro Fall zeigen starke Abweichungen, nämlich von 4,18 Euro bis 43,66 Euro. Auch die sogenannten “Betreuungsquotienten”, das Verhältnis der DRG-Fälle je Mitarbeiter und Jahr, differierten sehr stark. Sie schwanken zwischen 1.549 und 11.719 Fällen. In manchen Fällen könnten die Gelder, die durch schlecht durchgeführte Kontrollen verschlampt werden, Auswirkungen auf die Beitragssätze haben.
Geschultes Personal hilft beim Sparen
Die überprüften Krankenkassen haben die Krankenhausabrechnungen in Eigenregie geprüft. Die Höhe der Ersparnisse durch die Abrechnungsprüfungen war auch erstaunlich unterschiedlich. Es ging dabei um Werte zwischen 0,84 und 2,49 Prozent. Die Personalintensität spielte offensichtlich dabei keine sehr große Rolle. Auch Krankenkassen mit hohen Personalschlüsseln - 6.600 Fällen pro Mitarbeiter und Jahr – konnten durch die Überprüfungen der Abrechnungen zwei Prozent Einsparungen realisieren. Positiv haben sich bessere Computerprogramme zur Abrechnung und die Einbindung von medizinischem Personal auf die Einsparquote ausgewirkt.
Fehlanzeige bei der Zusammenarbeit
Legt man die Messlatte an die beste Einsparrate von 2,49 Prozent an, könnte es bei den restlichen 10 Krankenkassen Einsparungen von 150 Millionen Euro geben. Selbst bei einem zweiprozentigen Satz wären es noch 80 Millionen Euro. Gründe dafür, dass die Potentiale nicht ausreichend genutzt wurden, sehen die Prüfer unter anderem im uneinheitlichen Controlling und Abrechnungssoftware von unterschiedlicher Qualität. Vor allem aber verhindert mangelnde, sogar fehlende Zusammenarbeit der Krankenkassen untereinander größere Einsparungen. So ist es kaum möglich, auffällige Krankenhäuser zu ermitteln und deren Abrechnungsverhalten genauen Kontrollen zu unterziehen.
Ausnahmefall Selbstbedienung
BVA-Präsident Josef Hecken ging auf den Betrugsfall ein, der vor einiger Zeit bekannt wurde. Bei der inzwischen nicht mehr in dieser Form existenten BKK Delphi hatten Verwaltungsräte und Vorstand Viagra, Haarwuchsmittel und Reisen auf Krankenkassenkosten erhalten. Sogar unzulässige Darlehen wurden verteilt. Insgesamt entstand so ein Schaden von über einer halben Million Euro.
Der BVA-Präsident sprach dabei von einem Einzelfall. Er bedauerte, dass durch Presseberichte der Eindruck entstanden sei, dass solche Verhältnisse bei den gesetzlichen Krankenkassen an der Tagesordnung seien. Hecken betonte, dass das nicht die Realität widerspiegele. Nachweislich gingen Vorstände und Verwaltungsräte der Krankenkassen sehr verantwortungsvoll mit den Geldern der Versicherten um. An ihren guten Leistungen, den Erfolgen und ihrem Einsatz für die Mitglieder der Krankenkassen gäbe es fast ausnahmslos nichts auszusetzen.












