Selbstzahler Leistungen - Produktive Bausteine
Selbstgezahlte Leistungen in Kliniken und ärztlichen Praxen stabilisieren und entlasten die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). So jedenfalls sieht es der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH). Der VDGH-Vorsitzende Dr. Jürgen Schulze forderte die Kritiker zu differenzierten Betrachtungsweisen auf.
Seit zehn Jahren ist das System der individuellen Gesundheitsleistungen “IGeL” auf dem Markt. Dr. Jürgen Schulze wehrt sich gegen die herabsetzende Betrachtung der von den Patienten selbstgezahlten Untersuchungen, die oft als “überflüssiger Schnick-Schnack” bezeichnet würden. Zudem sei die Behauptung falsch, dass es Ärzten und Industrie lediglich ums Geldverdienen gehe. Inzwischen sehen viele Krankenkassen die Leistungen als positive Ergänzung an. Es sollte eine Überlegung wert sein, derartige Angebote als Wahltarife anzubieten. Das könnte Vorteile im schärfer werdenden Wettbewerb der Krankenkassen bringen.
Selbstzahler ebnen oft Zulassungswege
Der IGeL-Katalog umfasst unter anderem medizinische Vorsorgeleistungen sowie Untersuchungen der Sport- und Reisemedizin. Man wird diese Art von Gesundheitschecks im Katalog der GKV vergeblich suchen. Bezeichnend ist nach Ansicht des VDGH-Vorsitzenden, dass Laboruntersuchungen über lange Zeit hinweg von Versicherten der GKV nur deshalb in Anspruch genommen werden konnten, weil sie aus eigener Tasche bezahlt wurden. Viele dieser Untersuchungen sind dann doch in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen worden. Patienten können die langen Wartezeiten auf die Aufnahme von Untersuchungen in das gesetzliche Leistungsverzeichnis nur überbrücken, wenn zunächst einmal privat gezahlt wird.
IGeL-Leistungen entlasten die Solidargemeinschaft
Von Kritikern wird immer wieder behauptet, dass die Praxis des IGeL-Systems zu einer Entsolidarisierung beitrage. Dr. Schulze kann solchen Aussagen weder bei den Wahltarifen noch bei selbstgezahlten medizinischen Leistungen folgen. Sein Standpunkt: Es spricht nichts gegen eine privat entlohnte Laboruntersuchung, wenn ein Versicherter keine akuten Beschwerden hat, aber sein persönliches Risiko auf bestimmte Erkrankungen abschätzen möchte. Die IGeL-Leistungen sind seiner Ansicht nach eine sinnvolle individuelle Ergänzung des Leistungskataloges, stärken die Selbstbestimmung des Patienten und – last but not least – bedeuten finanzielle Entlastungen für die GKV.
Wachstum für Industriezweig
Wirtschaftliche Bedeutung hat der Markt für IGeL-Leistungen noch nicht. Für die Hersteller der nötigen Laborgeräte oder Reagenzien für die ärztliche Labortechnik sind sie relativ unbedeutend. Das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen hat nach einer Studie Umsätze in geschätztem Umfang von 60 Millionen Euro angegeben. Das sind ungefähr drei Prozent des gesamten Marktes für Diagnostica. Im vergangenen Jahr hatte dieser Markt ein Volumen von über zwei Milliarden Euro. Der VDGH prognostiziert jedoch ein zwar langsames, aber stetiges Wachstum. Der Verband vertritt die Interessen von ungefähr 90 Unternehmen, die Test- und Untersuchungssysteme, Instrumente und Verbrauchsmaterialien für die Untersuchung menschlicher Krankheiten und die Forschung herstellen. Insgesamt erwirtschaften die Unternehmen einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.












