Vorschlag: Zusatzversicherung für innovative Arzneimittel
Das Berliner Forschungs-Institut IGES hat am 23. Oktober 2008 einen Kongress zum Thema Innovation und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen ausgerichtet. Der Vorsitzende des Instituts Bertram Häussler warnte vor einer “Gerechtigkeitslücke” bei der Versorgung mit neuen Medikamenten.
Bei dieser Tagung am 23. Oktober 2008 hat Bertram Häussler vorgeschlagen, dass sich gesetzlich Krankenversicherte zusätzlich auf privater Basis gegen Therapieeinschnitte versichern sollten. Bei neuen Medikamenten könne es zukünftig an der Tagesordnung sein, dass die Krankenkassen sehr viel weniger Kosten übernehmen. Eine Therapie mit innovativen Arzneimitteln kann sehr teuer sein. Es könnte so die Gefahr entstehen, dass die Kosten für patentgeschützte Medikamente nicht mehr vollständig erstattet werden. Zumindest zeitweise ist die Gefahr gegeben, dass gesetzlich Versicherte vom medizinischen Fortschritt ausgeschlossen sind.
Sparschwein Zusatzversicherung
Der IGES-Vorsitzende gab zu bedenken, dass die gesetzlichen Krankenkassen vom Januar 2009 an die Möglichkeit hätten, Höchstbeträge für neue Arzneien festzusetzen. Deshalb sein Vorschlag einer “Innovationsversicherung”. Damit möglichst viele Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung uneingeschränkten Zugang zum medizinischen Fortschritt bekommen, sollte es eine Versicherung mit einem Beitrag von 40 Euro im Monat geben. “Diese Versicherung tritt im Krankheitsfall für eine moderne Behandlung ein, die von den Kassen noch nicht bezahlt wird.” Herr Häussler will das Modell als Zusatzversicherung verstanden wissen, kann sich auch vorstellen, dass so eine Versicherung als Sparvertrag angelegt sein könnte.
Forderung nach Positivlisten
Norbert Klusen, Vorsitzender der Techniker Krankenkasse, reagierte mit Skepsis auf diesen Vorschlag. Bisher seien die Kosten für neue Medikamente immer noch von den Krankenkassen bezahlt worden. “Wir kaufen ein, was unsere Patienten brauchen”, entgegnete Klusen. Das sei immer seine Devise gewesen, nach dieser Vorgabe habe er immer gehandelt. Er plädierte allerdings auch entschieden für Positivlisten für Arzneimittel ein. Die Basis für solche Listen bilden Verhandlungen mit den Pharmaherstellern. Ein Zusatzangebot hält Klusen unter Umständen für sinnvoll, sollten die gesetzlichen Krankenkassen in der Zukunft bestimmte Arzneien oder Therapien nicht mehr bezahlen dürfen.
Kostenbremsen wirken zu langsam
Der Hintergrund für diesen Vorschlag: Nach Vorgaben der letzten Gesundheitsreform können für besonders teure Medikamente mit Patentschutz Höchstpreise festgesetzt werden. In naher Zukunft soll es eine Kosten-Nutzen-Bewertung geben. Damit sollen die Preise für neue Medikamente nicht höher angesetzt werden als ihr zusätzlicher und tatsächlicher Nutzen. Denn seit Jahren steigen die Kosten für Arzneimittel ungebremst und oft explosionsartig. Nicht wenige Kritiker der Pharmaindustrie halten die Wirkung der Gegenmaßnahmen für zu lasch und zu langsam.
Scharfe Kritik für 40-Euro-Vorschlag
Doch auch der Vorschlag von IGES-Leiter Häussler rief sofort die Kritiker auf den Plan. Allen voran wies das Gesundheitsministerium den Vorschlag zurück. Die Empfehlung, eine Zusatzversicherung als Sparvertrag einzurichten, sei im Zeichen der Finanzmarktkrise “geradezu absurd”, konterte eine Sprecherin. Auch legte sie besonderen Wert auf die Feststellung, dass die Gesundheitsreform die Versorgung der Versicherten auch mit neuen Medikamenten und Therapien auf sehr hohem Level sichern würde.
Die Krankenkassen zeigten nichts als Unverständnis für die Anregung des Gesundheitsökonomen. Nutzen von einer solchen Zusatzversicherung hätten wohl nur Versicherungsmakler. Außerdem: “Neu bedeutet auch bei Arzneimitteln nicht automatisch besser”, sagte die Vizesprecherin des GKV-Spitzenverbandes. Tatsächliche und wirksame Innovationen stünden auch in Zukunft den Versicherten auf Kassenkosten zur Verfügung.












