Opfer des Gesundheitsfonds: Die integrierte Versorgung
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchtet, dass sich durch den Gesundheitsfonds die Zurückhaltung der Krankenkassen bei Verträgen zur integrierten Versorgung (IV) verschärfen wird. Vor allem in der Onkologie befürchtet Professor Lauterbach negative Auswirkungen.
Integrierte Versorgung, das meint die Zusammenarbeit von ambulanten und stationären Einrichtungen. Haus- und Fachärzte versorgen ihre Patienten im Verbund mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Rehabilitationsstellen. Das “Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung” (GMG), dass seit dem 01. Januar 2004 gültig ist, sollte diese integrierte Arbeit mit Patienten voranbringen. Lauterbach hält es für ein “Trauerspiel”, dass es trotz dieses Gesetzes und aller Bemühungen nur wenige Angebote zu integrierter Versorgung gibt. Er befürchtet, dass auch der Gesundheitsfonds daran kaum etwas ändern wird.
Integrierte Versorgung keine Pflichleistung
Gerade für Krebs-Patienten ist eine integrierte Versorgung allemal besser als punktuelle und dezentrale Anlaufstellen. Professor Lauterbach befürchtet, dass die IV in eine schlechte Situation geraten könnte. Die gesetzlichen Krankenkassen werden Vorsicht walten lassen und erst einmal abwarten, wie das System mit dem Gesundheitsfonds arbeitet. Der Gesundheitsökonom geht davon aus, dass die Krankenkassen alle Leistungen streichen werden, bei denen keine Verpflichtung besteht. Denn natürlich wollen sie verhindern, dass Zusatzbeiträge nötig werden. Es könnte sein, dass derartige Angebote, beispielsweise eben auch Integrationsverträge, für die Krankenkassen Verschwendung und Luxus bedeuten. Nun hält Lauterbach zwar nicht alle existierenden Verträge für sinnvoll, aber: “Es kann sein, dass auch Projekte gekippt werden, die zu geringen Kosten hohen Nutzen bieten,” so seine Befürchtung.
Wissenschaftler bringen Politik nach vorn
Gesundheitsökonomen wie Karl Lauterbach haben durch ihre Arbeit viel zur Verbesserung des Gesundheitssystems beigetragen. Idee und Praxis der integrierten Versorgungen, die Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Behandlungen oder die Programme zum Disease-Management basieren auf Impulsen dieser Fachleute. Sie haben die Gesundheitspolitik spürbar nach vorn gebracht. Das bestätigt auch die Gesundheitsministerin. Sie rechnet zukünftig mit einer weiter guten Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaftlern, damit gute Angebote und Konzepte entwickelt werden können. Denn es wird auch in Zukunft immer wieder ein Ringen um die besten Programme im Spannungsfeld zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit geben.
Nutzen für Gesellschaft und Individuum
Für die Arbeit der Gesundheitsökonomen steht vorrangig die Frage im Brennpunkt, wo der Nutzen für die Gesellschaft bei einer Sache liegt. So sieht der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit, Professor Peter Sawicki die gesundheitsökonomische Arbeit. Doch es gibt dabei eine ungeklärte Frage, nämlich die nach der Definition von gesellschaftlichem Nutzen. “Heißt das, es werden besonders viele Kranke versorgt, die besonders Kranken oder die Versorgung ist besonders billig?”
Diese Frage ist natürlich sehr problematisch, höchst brisant und daher nur sehr schwer zu beantworten. Professor Sawicki gibt zu bedenken, dass im fünften Buch des Sozialgesetzbuches so etwas wie gesellschaftlicher Nutzen überhaupt nicht vorkommt. Eine Rolle spielt dort nur der einzelne Versicherte. Sein Vorschlag als Ausweg aus der schwierigen Fragestellung: “Die Gesundheitsökonomen sollten Methoden entwickeln, mit denen der Nutzen für den Einzelnen und der Nutzen für die Gesellschaft verknüpft werden können.”












