Sozialversicherung
Akzeptanz der sozialen Sicherung im Sinkflug
Samstag, 22. Nov 2008, 16:48
Akzeptanz der sozialen Sicherung im Sinkflug.
Vertreter des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), der Gesellschaft sozialwissenschaftlicher Struktureinrichtungen, des Statistischen Bundesamtes und der Bundeszentrale für politische Bildung stellten den Report in Berlin vor. Im Berichtsjahr 2005 gaben die gesetzlichen Krankenkassen 135,9 Milliarden Euro für die allgemeine Gesundheit aus. Das waren 56,8 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben. Die privaten Haushalte waren mit 13,5 Prozent an den Ausgaben zum Gesundheitswesen beteiligt und steuerten 32,4 Milliarden Euro bei. Mit 22 Milliarden Euro folgen auf dem dritten Platz die privaten Krankenversicherer, und die Pflegeversicherung hatte mit 17,9 Milliarden Euro einen Anteil von 7,5 Prozent der Gesamtausgaben.
Eigenverantwortung hoch im Kurs
Man sollte nun meinen, dass die Mehrzahl der Bundesbürger genug hat von Eigenleistungen, denn deren Umfang ist bereits recht ansehnlich. Doch das Gegenteil ist der Fall. Roland Habich ist Mitherausgeber des Reports. Der WZB-Experte hat herausgefunden, dass die Mehrheit der Bürger für mehr Verantwortung des Einzelnen in allen Belangen der sozialen Sicherung plädiert. Funktionierende soziale Absicherungssysteme werden als Voraussetzung zur eigenen Verantwortung gesehen, offensichtlich nicht als ihr Gegensatz.
Soziale Sicherung im Abwärtstrend
Der Report hat auch die allgemeine Zufriedenheit mit der gesamten sozialen Sicherung untersucht, und zwar mit Bewertungen auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten. Mit 5 Punkten in den neuen Bundesländern und 5,5 Punkten im Westen Deutschlands ist dieser Zufriedenheitswert auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken. Das Vertrauen in die gesetzlichen Krankenversicherungen aber ist bei zwei Dritteln der Bevölkerung ungebrochen oder wenigstens vorhanden. Die übrigen Sicherungssysteme, die Renten- und Arbeitslosenversicherung, erreichen jeweils nur bei einem Drittel der Bevölkerung annehmbare Vertrauenswerte.
Krankenstatistik: Je älter, desto kränker
Im Jahr 2005 waren nach eigenen Angaben 13 Prozent der Bevölkerung krank oder durch einen Unfall verletzt. Werden die Menschen älter, steigen ihre gesundheitlichen Schwierigkeiten. Der Anteil der Kranken im Alter zwischen 15 und 39 Jahren lag im Jahr 2005 bei 9 Prozent, bei den 40- bis 64jährigen waren es immerhin bereits 12 Prozent. In der Alterstruktur über 65 Jahre ist es fast ein Viertel der Bevölkerung, das sich als krank oder verletzt bezeichnet. Von allen Kranken war der Anteil der Frauen etwas höher als das männliche Kontingent.
Rückläufige Aufenthalte im Krankenhaus
Im Jahr 2006 wurden 17 Millionen Menschen stationär im Krankenhaus behandelt. Die häufigste Ursache für einen solchen Aufenthalt waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 2,6 Millionen Fällen. 1,8 Millionen Krebserkrankungen wurden in den Krankenhäusern therapiert, und an dritter Stelle lagen Erkrankungen des Verdauungstraktes mit ungefähr 1,7 Millionen. Zum Vergleichsjahr 1995 sind sowohl die Kreislauf-Erkrankungen als auch die Krebsbehandlungen um 3 Prozent zurückgegangen.
Weniger Sterbefälle
Die allgemeine Sterblichkeit ist deutlich rückläufig. Zwischen den Jahren 1990 und 2006 verringerte sich die Sterbeziffer pro 100.000 Einwohner von 1.127 auf 777, was einem Rückgang um über 31 Prozent entspricht. Die häufigste Todesursache 2006 war die chronische ischämische Herzkrankheit, eine Mangeldurchblutung des Herzens. Es gab 78.000 Sterbefälle mit dieser Ursache, und es waren 34.000 Männer und 44.000 Frauen davon betroffen.





