Volkskrankheit

Volksleiden und Tabuthema Nr. 1: Depressionen

Freitag, 13. Nov 2009, 11:37
Müde, traurig, willensschwach: Millionen Deutsche leiden unter Depressionen. Tausende nehmen sich jährlich das Leben. Doch noch immer wird die psychische Krankheit in unserer Gesellschaft als Schwäche und als harmlos abgetan.

Volksleiden und Tabuthema Nr. 1: Depressionen.

Unter Depression wird der andauernde Zustand von psychischer Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Antriebslosigkeit verstanden. Doch auch innere Unruhen und starke Schlafstörungen werden als Symptome betrachtet. Depressionen sind längst zur Volkskrankheit geworden: Es ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung in der Bundesrepublik. Rund vier Millionen Deutsche sind betroffen. Mindestens zehn Millionen haben schätzungsweise bis zu ihrem 65. Lebensjahr wenigstens eine schwere Depression durchlitten. Die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher.

 

Jüngster Fall: Robert Enke

Das zehrende unendliche Gefühl der Leere und das Leben in einem emotionalen Vakuum mit der Selbstwahrnehmung völliger Bedeutungslosigkeit haben offenbar auch Fußballstar Robert Enke in den Suizid getrieben. Der Torhüter der deutschen Nationalelf hatte sich am Dienstag dieser Woche durch einen fahrenden Zug das Leben genommen. Doch er ist kein Einzelfall. Etwa zehn Prozent aller an Depressionen erkrankter Menschen nehmen sich das Leben.

Volksleiden wird zum Gesellschaftsproblem

Trotz tendenziell steigender Opferzahlen sind Depressionen vor allem ein gesellschaftliches Problem. Die Krankheit wird oftmals als Selbstverschulden betrachtet, tabuisiert oder totgeschwiegen. Die meisten Menschen würden eine Diagnose „Migräne“ einer Diagnose „Depression“ vorziehen, weiß Professor Ulrich Hergerl von der Uniklinik Leipzig und Leiter des bundesweiten Kompetenznetzes Depression. Depressionen würden oft unterschätzt und irgendwo zwischen Schnupfen und Einbildung angesiedelt, dabei handle es sich um eine gefährliche Krankheit, so Hergerl. Betroffene würden eine Depressionen als eine Schwäche betrachten, schweigen und fühlten sich aber letztendlich hilflos und allein gelassen. Ein tödlicher Teufelskreis, der für etwa Zehntausend Erkrankte jährlich im Selbstmord endet.

Laut Professor Ulrich Hergerl hätte unsere moderne Gesellschaft immer noch ein Problem, eine Krankheit als solche zu akzeptieren, die auf den ersten Blick einer vorübergehenden Verstimmung ähnlich sehen könnte. Je höher der Druck wäre, desto geringer sei auch die Toleranz – das gelte für viele Berufsfelder, auch solchen wie dem Leistungssport.

Schnelle Behandlung verspricht gute Heilungschancen

Doch Ärztin Prof. Isabella Heuser, Chefin der Psychiatrie an der Berliner Charité betont: Depressionen seien eine Krankheit, die behandelt werden könne und müsse – und das möglichst frühzeitig. Die Ärztin wünschte sich gerade in der Fußball-Welt einen offenen Umgang. Wichtig sei eine frühzeitige Intervention. Dann bringe die Kombination aus Psychotherapie und Medikamentengabe gute Heilungschancen, sagte Heuser. Dazu rechtzeitig den Mut zu fassen, sei wichtig, wenn auch für Depressive besonders schwer. Die Krankheit sei wie ein bleierner Mantel, der sich über Körper und Geist lege, beschreibt auch Professor Hegerl der Uniklinik Leipzig. Umso wichtiger, so betonten die Experten, sei also eine Umgebung, die den Erkrankten nicht durch Unverständnis, Vorurteile und berufliche Sanktionen zusätzliche Steine in den Weg lege, sich der Krankheit offen zu stellen.

Steigende Opferzahlen müssen wachrütteln

Die Notwendigkeit zu mehr Toleranz gegenüber Depressiven wird wachsen müssen. Jährlich nehmen die Betroffenenzahlen laut WHO weltweit zu. Man kenne nicht alle Gründe dafür, aber einer wäre der wachsende Leistungsdruck und die immense Beschleunigung in unserer Arbeitswelt, so Heuser. Dieser Leistungsdruck ist auch in extremer Form im Spitzensport zu finden. Hätte man Enkes Notlage früher erkannt und wäre offener damit umgegangen, so wäre er heute vielleicht noch am Leben. 

Kevin Stangel meint:

am 13. Nov 2009 um 17:18

Guten Tag,

wer heute nicht so läuft wie der "Mainstreem" wird schnell als "krank" abgestempelt, Hauptsache die Pharmaindustrie kann gut daran verdienen und die
Psychoklempner gleich mit.
Begonnen wird bei Kindern mit der erfundenen Erkrankung ADS und endet bei Demenz der Alten. Es darf einfach nicht sein das es Menschen gibt die eben anders durch Leben geht als der Durchschnitt der "normalen" Bevölkerung.
Das gleiche gilt auch für Depression, wer sowas hgat soll sich behandeln lassen, warum? Damit sich die Pharmaindustrie dumm und dämlich verdient? Drei Psycharter und vier Meinungen, alles sehr nah angesiedelt bei Esotherikern, Wunderheilern und anderen Quacksalbern.
Ich persönlich stehe zu meinen depressiven Phasen, sich einigeln keine Lust und Antrieb zu haben, die Welt real, d.h. negativ zu sehen.
Auch sind heute Einzelgänger und menschen die lieber für sich alleine leben wollen auch schon als krank angesehen, werden wenn sie jung sind "Amokläufer" oder eben Selbstmörder. Wer alleine lieber ist hat eben vielleicht auch schlechte Erfahrungen gemacht und hat keine Lust immer entäuscht zu werden von Partnern und Mitbürgern.
Laut der vielen Tests die es zum Thema Depressionen gibt sollte ich auch in Behandlung gehen, und mitmachen das sich die Industrie und die Nervenärtzte gut stellen, nein Danke.
In meinem Bekanntenkreis kenne ich viele die diese von Ihnen sogenannte Störung (schwere Erkrankung) haben und auch einige davon schon mehrere Suizidverusche hinter sich hatten, wenn sie keinen Sinn mehr in dem miesen Leben sehen warum ihnen denn einreden zu wollen das alles rosarot und so super toll hier ist???
Und wenn ein neureicher Fußballspieler sich aus was für Gründen auch immer vor einen Zug wirft, ist meine Anteilnahme zuerst bei dem Lokführer der das mitansehen mußte und evtl. dadurch seinen Beruf nicht mehr ausüben kann und keine 2Mio pro Jahr verdient um diesen Jobverlust ausgleichen zu können.

Hoffentlich setzt es sich irgendwann mal durch das menschen eben verschieden sind, und jeder ein Anrecht hat so zu leben (und zu sterben) wie er/sie es auch will, Gleichmacherei und Einheitsverhalten sind ein sehr düsterer Blick in die Zukunft

in diesem Sinne mit freundlichen Grüßen

Kevin Stangel




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