Studie

Studie: Schmerzmittel statt Therapie bei Rückenschmerzen

Mittwoch, 17. Feb 2010, 12:54
Vier von fünf Deutschen haben zumindest einmal im Leben Rückenschmerzen, davon leidet etwa ein Drittel jährlich an diesen Beschwerden. Zum ersten Mal wurde jetzt eine Studie zur Versorgungssituation von Rückenschmerzpatienten durchgeführt.

Mangelnde Versorgung bei Rückenschmerzen.

Dabei kooperierten das Pharmaunternehmen Grünenthal und die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) erstmalig miteinander. Bis zum jetzigen Zeitpunkt waren die Daten über die Versorgungssituation und -kosten nicht ausreichend. Die besagte Studie „Versorgungsatlas Schmerz“ aber sollte diese nun transparenter machen. Sie untersuchte die Kosten, die durch Schmerzpatienten entstehen, die Anzahl derjenigen, die an Rückenschmerzen leiden und wie die Versorgung in Deutschland momentan aussieht. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Folgekosten durch gezielte Therapien vermieden werden können. Bereits im Juli 2008 begann das ganze Projekt mit einer „Pilotphase“.

Studie erfasst Daten der Schmerzpatienten

Anfänglich bestimmten das IGES Institut in Berlin zusammen mit namenhaften Schmerzexperten mithilfe von Diagnosemustern neun verschiedene Schmerztypen, die bei Versicherten mit Opioidverordnungen auftraten. Anschließend wurden aus den über fünf Millionen DAK-Versicherten anhand dieser Diagnosemuster Schmerzpatienten herausgefiltert.

Es stellte sich heraus, dass im Jahr 2006 etwa 43,5 Prozent der Versicherten aufgrund von Rückenschmerzen behandelt wurden. Dabei wurden Alter, Geschlecht und die Art der Schmerzen untersucht. Die Arten umfassen Schmerzen bei Bandscheibenerkrankungen, spezifische Rückenschmerzen und unspezifische Rückenschmerzen. Anhand dieser Studie konnte so nun erstmalig ein Überblick über Schmerzleidende einer großen Anzahl von Menschen geschaffen werden.

Verschreibung von Medikamenten zur Kosteneinsparung

Man stellte fest, dass besonders Patienten mit spezifischen Schmerzen sehr häufig einen Arzt aufsuchen würden. Die Versorgungskosten lägen vor allem bei chronisch Erkrankten hoch. „Dies zeigt, dass sich Maßnahmen zur Verhinderung von Schmerzchronifizierung in Kosteneinsparungen niederschlagen könnten“, meinte Prof. Dr. Gerd Glaeske aus dem Zentrum für Sozialpolitik in Bremen. In dem Zusammenhang gibt es ein weiteres Problem. Rückenschmerzpatienten bekämen hauptsächlich Schmerzmedikamente verschrieben, das heißt, es werden lediglich die Symptome der Beschwerden bekämpft.

Mangel an Therapieverfahren

Schmerztherapeutische Behandlungen wie beispielsweise ambulante oder stationäre multimodale Schmerztherapien sowie schmerzinduzierte Psychotherapien und Rehabilitationen hingegen würden weniger verschrieben werden. Es sei aber wichtig, Schmerzpatienten, die Gefahr laufen, eine chronische Erkrankung zu erleiden, rechtzeitig zu identifizieren, so der DAK Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher. Damit sollte es möglich sein, die notwendige Hilfe schneller und zielgerichteter zu leisten.

Patienten versorgen sich selbst

Für die Patienten ist es häufig schwierig, einen geeigneten Facharzt ausfindig zu machen. Viele Betroffene therapieren ihre Schmerzen deshalb selbst. „In Deutschland werden jedes Jahr 160 Millionen Packungen Schmerzmittel verbraucht“, erklärte Glaeske. Um dies zu vermeiden, müssten Patienten Strukturen geboten werden, die sie als Anlaufstelle nutzen können. Rebscher betont: „Wir wollen unsere Versicherten optimal versorgen und sicherstellen, dass in Zukunft Risikopatienten rechtzeitig stadiengerecht adäquat behandelt werden.“

Hygieia meint:

am 18. Feb 2010 um 23:06

Es ist wieder nur von "Behandlung" die Rede. Wann findet die gute alte "Heilung" wieder Einzug in das Krankheitssystem?

Fast die Hälfte der VErsicherten wird mindestens ein Mal im Jahr wegen Rückenschmerzen "behandelt". Wann brechen wir Versicherten aus diesem System aus, das erst ansetzt, wenn wir krank sind und beugen selbst vor? Rückenschmerzen sind eines der Warnzeichen des Körpers, dass wir uns zu viel "aufgeladen" haben. Müssen es wirklich drei Reisen pro Jahr sein? Muss es das grössere Auto sein oder das 150 Quadratmeter Haus, für das wir nur knapp die Hypothek bedienen können?




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