Neues Pflege-Modell
Neues Pflegezeit-Modell soll häusliche Pflege erleichtern
Donnerstag, 04. Mär 2010, 11:50
Ein neues Pflegekonzept soll es für Erwerbstätige leichter machen Angehörige zu pflegen.
Laut Kristina Schröder (CDU) antworte ihr neues Konzept auf ein stärker werdendes Bedürfnis, denn schon jetzt würden zwei Drittel der Bedürftigen zu Hause gepflegt werden. Der Entwurf der Ministerin sieht einen rechtlichen Anspruch auf eine Pflegezeit von zwei Jahren vor, in denen
Erwerbstätige ihre Angehörigen pflegen können. Um den Lebensunterhalt weiter bestreiten zu können, sollen die Arbeitnehmer die Hälfte der vorherigen Arbeitszeit leisten, dafür aber drei Viertel des ursprünglich Gehaltes erhalten. Nach der Pflegezeit solle der Arbeitnehmer noch solange 75 Prozent des Gehaltes erhalten, bis das Zeit- und Gehaltskonto wieder ausgeglichen sei, so Schröder. Die Ministerin betonte, dass sich die Pflegezeit nicht auf das Alter beschränken solle. Die Pflegezeit könne von Verwandten, Eltern und Kindern in Anspruch genommen werden, sagte Kristina Schröder. Indessen kritisierten politische Gegner den Vorschlag als unstimmig und Vertreter der Wirtschaftlich wiesen das Konzept als immenses Kostenrisiko zurück.
Ansätze des Modells begrüßt
Der Sozialsenator von Hamburg, Dietrich Wersich (CDU), begrüßte den Vorschlag der Bundesfamilienministerin. Wersich sagte, er finde es richtig und wichtig, dass Ministerin Schröder das für viele Familien brennende Thema aufnehme. Der Vorschlag einer Pflegeteilzeit sei in seinen Augen eine gute Idee, die er sehr unterstütze, da sie vielen Menschen zugute kommen würde, die Beruf und Pflege unter einen Hut bringen wollten. Auch Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes (DPV) unterstütze diesen Ansatz des neuen Pflegeprogramms, er warnte jedoch, dass dadurch die Großbaustelle der Pflegereform nicht kaschiert werden dürfe. Höfer befürchtet, dass die familiäre Pflege ausgebaut werden solle, um die ausufernden Kosten der professionellen Pflege einzudämmen. In seinen Augen sei eine häusliche Pflege jedoch nicht immer die geeignetste. Die Pflege müsse vielmehr aus einer Mischung von professionellen Betreuern, Angehörigen und Freunden bestehen.
Frauen im Nachteil
Heftige Kritik übten SPD und Grüne. Sie sehen vor allem berufstätige Frauen benachteiligt, die durch die Pflegezeit ihre Karrierechancen verpassen würden und damit längerfristig auf einem niedrigen Lohnniveau blieben. SPD-Sozialpolitiker Karl Lauterbach sagte, der Vorschlag sei typische CDU-Politik. Frauen würden vermeintlich gefördert, sollten in Wahrheit aber zurück an den Herd gebracht werden. Grünen-Expertin Elisabeth Scharfenberg sagte außerdem, dass die Pflege wieder auf den billigsten Pflegedienst, die Familie, abgewälzt werden solle. Im Zweifel seien die weiblichen Angehörigen betroffen, sodass alte Rollenbilder zementiert würden.
Große Bedenken der Wirtschaft
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte vor wirtschaftlichen Risiken durch weitere Belastungen bei den Arbeitskosten. Seiner Meinung nach entstehe ein Kostenrisiko für Betriebe, wenn Arbeitnehmer ihr Unternehmen verlassen würden, bevor die durch die Pflegezeit unterbliebene Arbeit nachgeholt sei. Die Wirtschaft setze auf flexible Arbeitszeitmodelle und nicht auf gesetzliche Regulierung, erklärte der Arbeitgeberpräsident.





